Meinungen einholen, Bürgerinnen und Bürger aktivieren

Ein Mann und eine Frau im Gespräch

Der größte Teil der Modelle und Verfahren zur Bürger(innen)beteilligung setzt Interesse, Motivation und Engagement der betroffenen Menschen zur Gestaltung ihres (näheren und weiteren) Lebensraumes voraus. Häufig bedarf es aber besonderer Anreize, Methoden und Kommunikationsformen, die Bürgerinnen und Bürger zur Artikulation ihrer Meinung und zur konkreten Mitarbeit an zivilgesellschaftlichen Gestaltungsprozessen zu bewegen.

  • Ausgehend von der Erkenntnis, dass Menschen nur  dann bereit sind, sich für etwas zu engagieren, wenn es in ihrem eigenen Interesse liegt und sie von dessen Notwendigkeit überzeugt sind, gilt es durch aktivierende Gespräche herauszufinden, wie die Betroffenen denken und fühlen, was sie als veränderungsbedürftig ansehen und was sie bereit sind zu tun, damit sich etwas ändert.

  • Mitarbeiter/innen sozialer Dienste haben die Möglichkeit, die Themen aus dem Sozialraum ihrer Adressat/innen unkompliziert »serviert« zu bekommen. Den hierfür notwendigen Anschub bildet die Methode »10 Minuten nach dem Beratungsgespräch«. Sie kann im Alltag regelmäßig angewendet werden und setzt das echte Interesse der Fachkraft voraus.

  • Einen Spezialfall der Aktivierenden Befragung stellt die während der siebziger Jahre in Norwegen entstandene sogenannte Arbeitsbuchmethode (Arbeidsbokmetoden) dar. Konstitutiv sind die Elemente der Befragung, der Ingangsetzung eines Veränderungsprozesses sowie des Dialogs zwischen Betroffenen und Politik sowie Verwaltung.

  • Die Bürgerausstellung ist ein Bürgerbeteiligungsverfahren für die Stadtplanung, das Innensichten von Bürgern in Form von Interviewausschnitten zusammen mit Fotografien der Bürger und des Stadtviertels ausstellt. Das Ziel der Bürgerausstellung ist es, Einstellungen, Ziele und Motivationen von Interessengruppen (Stakeholdern) bloß zu legen und einen öffentlichen Dialog darüber zu ermöglichen.

  • Bürgerpanels stellen einen übergreifenden, allgemein zugänglichen und breitere Bevölkerungsteile einbeziehenden Ansatz zur Bürgerbeteiligung dar. Gleichzeitig verbessern Bürgerpanels die Informationsversorgung der gewählten demokratischen Interessenvertretungen sowie der Verwaltungsführung und eröffnen neue Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Politik und Bürger.

  • Community Organizing (CO) ist Organisationsarbeit in Stadtteilen, Städten oder Regionen. Durch den Aufbau einer Beziehungskultur und durch gemeinsames Handeln tragen Bürger zur Lösung von Problemen in ihrem Umfeld bei. Community Organizing ist auf Dauerhaftigkeit angelegt. Es geht nicht so sehr um Abwehr, sondern um positive Veränderungen und um die Fähigkeit, diese herbeizuführen.

  • Die Demokratiewerkstatt (DW),  entwickelt vom Büdinger Kreis (BK), ist ein von Jugendlichen getragenes und ausgestaltetes Bildungsarrangement. Die Jugendlichen schlüpfen dabei – initiiert und betreut durch einen Träger außerschulischer politischer Bildung – in die Rolle politischer Bildner, gestalten Bildungsangebote für ihr eigenes Umfeld, setzen sich so mit Politik auseinander und engagieren sich für die Demokratie.

  • Mit e-Democracy wird nicht eine Methode beschrieben, sondern der Einsatz eines neuen Mediums. Mit dem Begriff wird die digitale Unterstützung und Erweiterung traditioneller formeller und informeller Politikformen definiert und er schließt damit Willensbildung in Parteien genauso ein wie Wahlkampagnen, Parlamentsarbeit,  Lobbyismus, Campaigning von NGO’s und digitalisierte Formen der Bürgerbeteiligung bis hin zu Bürgerbegehren und Wahlen.

  • PRA steht für Participatory Rapid Appraisal, was frei übersetzt soviel wie »Schnelle Erhebung/Befragung mit Bürgerbeteiligung/Partizipation« oder »in kurzer Zeit gemeinsame Projektideen erarbeiten« heißt. Im Kern einer PRA steht die Befragung und Beteiligung der Zielgruppe mit Hilfe von so genannten »Küchentischgesprächen«, die nach Bedarf durch Anwendung weiterer Methoden der Informationsbeschaffung und Datengewinnung ergänzt wird.

  • Eine RTSC-Konferenz (Real Time Strategic Change) ermöglicht synchronen Wandel in einem gesamten System, z.B. einem Stadtteil, wie auch in einem Unternehmen. »Real Time« bedeutet hier: Veränderung wird nicht geplant, sie passiert. Aus diesem Grund repräsentieren die Teilnehmer in der Regel einen Querschnitt aus allen an dem Thema oder der Organisation beteiligten Interessengruppen.