Eigenfinanzierung als Herausforderung

Wenn von der Finanzierung gemeinnütziger Träger durch eigenwirtschaftliche Aktivitäten die Rede ist, klingt immer auch der Diskurs um den Rückzug des Staates aus der Finanzierung von sozialer Sicherung, Bildung und Kultur an. Wo öffentliche Mittel knapper werden, sind Eigenfinanzierungsmodelle dabei nicht nur Teil einer erzwungenen Anpassungsstrategie des gemeinnützigen Bereichs, sondern können gleichzeitig seine gesellschaftliche Verhandlungsposition stärken. Der Aufbau des selbsterwirtschafteten Anteils im Finanzierungsmix gemeinnütziger Träger birgt damit gerade in Deutschland, wo eine starke strukturelle Abhängigkeit der Zivilgesellschaft vom Staat immer wieder bemängelt wird, einige Chancen.

Dabei wird in der gemeinnützigen Szene immer wieder betont, dass Eigenmittel-Erwirtschaftung keinen Ersatz für die öffentliche Förderung gesellschaftlicher Aufgaben darstellen kann, sondern allenfalls eine ausgleichende Ergänzung, die die Nachhaltigkeit der Organisationen und ihrer Arbeit stärkt. Insbesondere die immer schwerer zu sichernde Finanzierung der Overhead-Kosten kann durch die Stärkung der Eigenmittel auf eine stabile Basis gestellt werden, von der aus Projektförderungen freier akquiriert werden können.

Das Modell der marktbasierten Finanzierung gemeinnütziger Träger hat allerdings hierzulande jenseits der sozialen Dienstleistungsszene bislang nur wenig Gewicht. Zwar finden bei nahezu allen gemeinnützigen Trägern im kleinen Rahmen auch wirtschaftliche Aktivitäten statt – meist jedoch lediglich als Nebeneffekt der ideellen Arbeit und ohne langfristige Perspektive. Die Dürre erfolgreicher Eigenfinanzierungs-Modelle hat verschiedene Gründe, die sowohl im Innenleben der Träger wie auch in ihrer Umwelt zu suchen sind.

Zu den wichtigsten Hürden zählen dabei:

  • der Mangel an verfügbarer Kapazität, v.a. an Personal und Startkapital zum Aufbau von Geschäftsbetrieben bei den Trägern sowie das Fehlen eines funktionierenden Kapitalmarktes zur Unterstützung entsprechender Vorhaben;
  • Engpässe beim notwendigen Know-how im Marketing und juristischen Bereich (v.a. bei kleineren Trägern) und die in den juristischen Rahmenbedingungen angelegten hohen Einstiegsschwellen;
  • die in der Kultur vieler gemeinnütziger Träger vorgezeichnete Reibung mit der unternehmerischen Logik und die mangelnde Durchlässigkeit zwischen gemeinnütziger und privatwirtschaftlicher Sphäre.


Darüber hinaus haben gemeinnützige Träger beim Aufbau von Geschäftsbetrieben natürlich auch mit den selektierenden Kräften des Marktes zu kämpfen, die im allgemeinen rund drei Viertel aller Existenzgründungen schon in der Startphase scheitern lassen. In Anbetracht dieser Barrieren dramatisiert sich die eingangs gestellte Frage, welche Chancen und Wettbewerbsvorteile gemeinnützig verwurzelte Geschäftsbetriebe auf dem freien Markt überhaupt haben.