Fürst Donnersmarck-Stiftung - Haus Rheinsberg gGmbH

Ein kreisrundes Haus mit Eingangsbereich und dem Schriftzug »Hazus Rheinsberg - Hotel am See«, davor Bänke, Blumen und ein Baum.

Mit dem »Haus Rheinsberg« betreibt die Fürst Donnersmarck-Stiftung seit 2002 ein barrierefreies Hotel im brandenburgischen Kurort Rheinsberg. Das als gemeinnützige GmbH geführte Hotel steht nicht unter dem Motiv der Eigenmittel-Erwirtschaftung, sondern ist für die Stiftung eine vor allem inhaltlich begründete Investition, die ihr soziales und kulturelles Dienstleistungsangebot für Körperbehinderte sinnvoll ergänzt. Der Aufbau der Haus Rheinsberg gGmbH wurde von einem umfangreichen Organisationsentwicklungsprozess in der Stiftung begleitet, der die Stärkung der Kommunikationsfähigkeit zwischen den beteiligten Akteuren zum Ziel hatte.

Entwicklungsgeschichte

Die Geschichte von Haus Rheinsberg geht auf den Anfang der 90er Jahre zurück. Der Fürst Donnersmarck-Stiftung stellte sich damals die Aufgabe, Überschüsse aus der Verwaltung des – vor allem in Immobilien und Rentenpapieren angelegten – Stiftungsvermögens einer finanziell sinnvollen und mit den Zwecken der Stiftung kompatiblen Verwendung zuführen zu wollen (und steuerrechtlich auch zu müssen). Auf einer Zukunftswerkstatt zur Sammlung von Investitionsmöglichkeiten entstand zwischen Stiftungsmitarbeiter/innen und Nutzer/innen der Angebote die Idee eines barrierefreien Gästehauses, aus der sich in weiteren Diskussionen das Konzept eines Hotels mit Pflege- und Tagungsmöglichkeiten schälte.

Mit der Entscheidung für das Hotelprojekt begann die Stiftung, Gelder zum Bau des Hauses zurückzulegen. Zur Genehmigung dieser zweckgebundenen Rücklagen musste beim Finanzamt eine vorläufige Konzeption und Finanzplanung für das Projekt eingereicht werden, die allerdings in den folgenden Jahren noch mehrmals umgestellt wurde. Geschäftsführung und Projektteam mussten in diesem Planungsprozess stets zwischen den Ansprüchen der Stiftung, den Bedürfnissen ihrer Klienten und potentiellen Nutzer/innen und den engen Vorschriften des Steuer- und Gemeinnützigkeitsrechts navigieren.

Konstruktion

Als Träger des Hotels wurde eine gemeinnützige GmbH gegründet, deren alleinige Gesellschafterin die Fürst Donnersmarck-Stiftung ist. Die Haus Rheinsberg gGmbH wird dabei als Tochtergesellschaft wirtschaftlich selbständig geführt. Eine wichtige Bedingung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit der Gesellschaft war die Zugangsbeschränkung des Hotels. So richtet sich das Übernachtungsangebot hauptsächlich an Menschen mit mindestens 50%iger Behinderung und deren Begleitung und Angehörige sowie an Mitarbeiter/innen gemeinnütziger und öffentlicher Träger.

Den größten Teil der Investitionssumme von rund 30 Millionen Euro brachte die Stiftung als Beteiligung aus den zweckgebundenen Rücklagen und aus ihrem operativen Budget in die Gesellschaft ein. Mit der Stiftungsaufsicht und dem Finanzamt konnte dabei geklärt werden, dass die satzungsgemäße Mittelverwendung (im Sinne der Unmittelbarkeit) auch über die Durchführung des Projektes durch die 100%ige Tochtergesellschaft gewährleistet ist. Neben den Eigenmitteln wurde der Bau zudem zu 15% durch die Infrastrukturförderung des Landes Brandenburg im Bereich Touristik finanziert.

Die Übernachtungspreise sind in Anbetracht des Vier-Sterne-Standards des Hotels mit z.Zt. durchschnittlich 50 Euro sehr günstig. Dabei können die Betriebskosten des Hauses bei derzeit 60–80%iger Auslastung noch nicht vollständig durch den Gästebetrieb getragen werden. Vorteilhaft ist, dass die Gesellschaft keine Gewinne abwerfen muss (was sie als gGmbH darüber hinaus auch nicht darf), da die Stiftung das Unternehmen nicht zur Eigenmittel-Erwirtschaftung betreibt, sondern darin vielmehr eine inhaltlich begründete Investition sieht. Positive finanzielle Nebenwirkungen für die Stiftung ergeben sich dennoch aus der langfristigen Abschreibung der Investitionssumme, die den Cash Flow der Stiftung stärkt. Um das Vermögen der Stiftung langfristig zu sichern, wurde darauf geachtet, das Hotel marktfähig zu bauen und es so auch für den allgemein-kommerziellen Gastbetrieb nutzbar zu halten.

Kritische Punkte

Neben der inhaltlichen Kontroverse um die in der Zugangsbeschränkung des Hotels angelegten Integrationsproblematik (Stichwort: »Ghetto oder Oase?«) gaben vor allem die Planungsrisiken des Projektes im Vorfeld Raum für Skepsis. In Anbetracht des hohen Investitionsumfangs stellte sich die Frage, ob die Stiftung es jemals schaffen würde, das Hotel an den Markt zu bringen, doppelt kritisch. Intern wurde in diesem Zusammenhang vor allem der Mangel an Marketing-Know-how in der Stiftung kritisch gesehen. Wolfgang Schrödter, Geschäftsführer der Fürst Donnersmarck-Stiftung, beschloss daher, für den Aufbau des Marketing-Konzeptes eine Agentur ins Haus zu holen. In monatlichen Sitzungen, an denen neben der Geschäftsführung auch Vertreter aller Arbeitsbereiche der Stiftung teilnahmen, näherten sich beide Seiten aneinander an. Den Marketing-Fachleuten fiel es dabei zunächst schwer, die ideellen Ziele im Gefüge der wirtschaftlichen Aktivitäten der Stiftung nachzuvollziehen. Für die Stiftungsmitarbeiter/innen war es demgegenüber schwierig, sich auf die »wertneutrale« Logik der Marktorientierung einzustellen. »Eine ‚marketing-minded‘ Organisation zu schaffen«, resümiert Wolfgang Schrödter diesen mittlerweile vierjährigen Prozess »ist ein Riesenschritt in Denken und Akzeptanz«.

Die Marketing-Sitzungen fügen sich als Baustein in einen breit angelegten Organisationsentwicklungsprozess, der alle Bereiche und Arbeitsebenen der Stiftung einbezieht. In diesem Prozess wird auch intern immer wieder die Spannung verschiedener Zielorientierungen und Stile deutlich, etwa in den Kategorien der »Denker« und »Macher«, die auf einer Team-Sitzung als wechselseitige Stereotype den Spalt zwischen Prozess- und Beteiligungsorientierungen einerseits und Aktions- und Managementorientierungen andererseits beschreiben.

Erfolgsfaktoren

In der Betrachtung des Erfolgs beim Aufbau und Betrieb von Haus Rheinsberg lassen sich zwei wichtige Faktoren ausmachen, die die beschriebene Spannung in Stärke verwandeln: die Nähe der Stiftung zu ihren Klienten und die zweiseitige Kompetenz ihrer Führung.

Da die Fürst Donnersmarck-Stiftung schon seit über 50 Jahren Dienstleistungen im Behindertenbereich anbietet und durch ihr Gästehaus in Bad Bevensen über einige branchenspezifische Erfahrung verfügt, kann sie mit dem Haus Rheinsberg eine Qualität anbieten, die sehr nah an den Bedürfnissen ihrer Kunden liegt. Wo zusätzlicher Entwicklungsbedarf bestand, wurde die starke Verbindung zur Zielgruppe im Planungsprozess optimal genutzt. Das gewählte Geschäftsfeld fügt sich dabei nahtlos in die »Wertschöpfungskette« und das Angebots­profil der Stiftung und ist durch das sehr spezielle Marktsegment vom Druck direkter Konkurrenz weitgehend befreit.

Neben der starken Verwurzelung in der Nutzerbasis verdankt die Stiftung den Erfolg des Rheinsberger Projektes auch seiner Führung. Mit Wolfgang Schrödter hat die Fürst Donnersmarck-Stiftung einen Geschäftsführer, der durch langjährige Managementerfahrung im Profit- und Nonprofit-Bereich kompetent und glaubwürdig zwischen den Sphären der »Denker« und der »Macher« vermitteln kann und den Brückenschlag zwischen der sozialen und der betriebswirtschaftlichen Realität in der Stiftung seit 1997 mit viel Energie vorantreibt.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Haus Rheinsberg gGmbH - Hotel am See
Donnersmarckweg 1
16831 Rheinsberg
Tel.: (03 39 31) 3 44–0
Fax: (03 39 31) 3 44–55 5
E-mail: post@hausrheinsberg.de

www.hausrheinsberg.de

Stiftung: www.fdst.de