Sport- und Kulturzentrum Ittertal gGmbH

Ein sonnendurchflutetes Freibad mit unzähligen Badegästen vor einer Kulisse großer Bäume.

Das Sport- und Kulturzentrum Ittertal liegt im Landschaftsschutzgebiet zehn Kilometer nordwestlich der Innenstadt von Solingen. Das Zentrum kombiniert attraktive Freizeitangebote wie Freibad und Freilufteisbahn mit Programmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit und betreibt als Beschäftigungsträger verschiedene Projekte zur Ausbildungs- und Arbeitsförderung im »zweiten Arbeitsmarkt«. Neben dem Sport- und Freizeitbetrieb führt die Gesellschaft zu diesem Zweck eine Abteilung im Garten- und Landschaftsbau mit den Schwerpunkten Grünpflege, Waldbau und Projekte, die private und öffentliche Aufträge bearbeitet.

Entwicklungsgeschichte

Die bereits 1912 erbaute Sportanlage Ittertal wurde bis Ende der 80er Jahre von der Stadt Solingen betrieben. Als 1987 wegen zunehmender Finanznot der Kommune die Schließung der Einrichtung drohte, stellte der freie Beschäftigungsträger »Jugendberufshilfe Solingen« ein Konzept vor, die Anlage in Form einer gemeinnützigen GmbH in freier Trägerschaft zu betreiben. Ziel war dabei nicht nur, die Sport- und Freizeitangebote der Einrichtung für die Bürger von Solingen zu erhalten, sondern auch Arbeits- und Ausbildungsplätze für Jugendliche und Langzeitarbeitslose zu schaffen. Arbeitsmarktbezogene Zuschüsse aus Landes-, Bundes- und EU-Töpfen sollten dabei zusammen mit der Einnahmesteigerung durch erhöhte Attraktivität und effizientere Betriebsführung die kommunale Kasse entlasten. Mit dieser doppelten Zielstellung fand das Projekt die politische Unterstützung der regierenden Solinger SPD und wurde im selben Jahr angegangen.

Mit umfangreichen Förderungen konnten zu den bereits bestehenden Nutzbauten auf dem Gelände eine Verwaltungseinheit sowie Räumlichkeiten für einen Gastronomie-, Seminar und Kulturbetrieb errichtet werden. Neben dem bestehenden Sport- und Freizeitangebot entstanden mit der Zeit verschiedene Kleinbetriebe, die weitere Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten im handwerklichen Bereich eröffneten. So bildete sich etwa eine Tischlerei und ein Gärtnereibetrieb, der bis heute zum Herzstück des Trägers gehört.

Während anfangs noch in Kooperation mit dem Kulturamt Solingen Lesungen, Ausstellungen und Konzerte im Zentrum stattfanden, wurde der Kulturbetrieb bald aufgrund mangelnder Besucher eingestellt. »Vielleicht waren es zu viele Baustellen auf einmal«, resümiert Gabriele Georgi heute, die seit 11 Jahren Geschäftsführerin der Ittertal gGmbH ist. Auch im Gastronomie-Bereich hatten die neuen Betreiber wenig Glück, ein funktionierendes Geschäft zu etablieren. Die Anstellung eines Gastronomen wirkte hier eher kontraproduktiv, da das Anstellungsverhältnis mit der in der Gastronomiebranche vorherrschenden Kultur der Selbständigkeit kollidierte. Da der Gastronomie-Bereich vom Finanzamt als reiner wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb eingestuft wurde, entwickelten sich die roten Zahlen im Betrieb nach und nach zur Gefahr für die Gemeinnützigkeit des Trägers. Um dieses Risiko zu eliminieren, entschloss sich die Geschäftsführung, die Gastronomie an einen privaten Betreiber abzugeben, der das Restaurant nun von der Gesellschaft pachtet.

Konstruktion

Gesellschafter der Ittertal gGmbH ist heute der aus dem Kreis der Jugendberufshilfe Solingen gegründete nicht gemeinnützige »Verein zur Förderung neuer Betriebsstrukturen e.V.«. Der Vorstand des Vereins (bestehend aus einem Wirtschaftsprüfer, einem Rechtsanwalt und einem Lokalpolitiker) fungiert als Gesellschafterversammlung und kontrolliert die Geschäftsführung. Fast alle Programmbereiche sind dabei als Zweckbetriebe organisiert. Sie werden von Fachanleiter/innen geführt, die die Beschäftigten in der Arbeit anleiten und gleichzeitig betriebswirtschaftliche Mitverantwortung in den Betrieben tragen. Die Fachanleiter/innen sind dem Betriebsleiter der Gesellschaft unterstellt. Darüber hinaus beschäftigt die gGmbH insgesamt 15 Vorarbeiter, Verwaltungskräfte, Pädagogen sowie Sozialarbeiter/innen, die die rund 30 Beschäftigten in den Arbeitsförderungs-Programmen betreuen.

Grundstück und Anlage werden von der Stadt gepachtet, die die Betriebskosten des Sport- und Freizeitbetriebs auch weiterhin bezuschusst. Zudem finanziert sich die Gesellschaft über Stadtentwicklungs- und Sozialprogramme der Stadt Solingen sowie Zuschüsse der Agentur für Arbeit und des Diakonischen Werkes, in dem die Ittertal gGmbH Mitglied ist. Die Eigenfinanzierungsquote in dem fast 1,7 Millionen Euro umfassenden Haushalt der gGmbH liegt derzeit bei rund 30%, wobei die Erlöse aus dem Garten- und Landschaftsbau die Einnahmen im Freizeitbereich mittlerweile übersteigen. Mit der Auslagerung hat die Kommune über die Jahre somit mehr als eine Million Euro an Betriebskosten und 1,5 Millionen Euro an Investitionen eingespart.

Marketing

Da die gGmbH für die Angebote ihres Gärtnerei-Zweckbetriebes keine offensive Werbung macht, basiert die Auftragsakquise in der Regel auf Empfehlungen. Dabei ist den meisten Kunden bewusst, dass die Betriebe einem Beschäftigungsträger angehören. Zuweilen weist die gGmbH auch darauf hin, etwa bei komplexeren Arbeiten, wo es notwendig wird, einen anderen Abrechnungsmodus finden. »Unsere Leute sind zwar genauso gut, aber nicht immer genauso schnell, das heißt wir können nicht immer über Stunden abrechnen«, berichtet Michael Korb, Betriebsleiter der Einrichtung. Dabei wird viel Wert darauf gelegt, dass nicht nur die Leistung, sondern auch der Preis des Angebots am marktüblichen Niveau orientiert ist: »Wir sind nicht der billige Jakob, darauf weisen wir hin«, erklärt Korb.

Kritische Punkte

Da die Ittertal gGmbH in allen Programmbereichen ihre ideellen Ziele direkt mit ihrer wirtschaftlichen Betätigung verknüpft, ist der Spagat, den die Gesellschaft zwischen diesen beiden Polen machen muss, besonders prekär. Obwohl der finanzielle Druck auf die Zweckbetriebe verhältnismäßig stark abgefedert ist und die Fehlertoleranz der Fachanleiter/innen im Vergleich zum »ersten Arbeitsmarkt« hoch ist, müssen routinemäßig betriebswirtschaftliche Entscheidungen getroffen werden, die gegen den sozialen Anspruch der Einrichtung stehen. »Ich kann nicht sagen »Wir haben den Menschen im Mittelpunkt, und um den Rest müssen wir uns nicht mehr kümmern« – das wäre schön, aber so ist das nicht«, erklärt Gabriele Georgi.

Während Alkoholkonsum und mangelnde Zeitdisziplin am Arbeitsplatz zu den prominentesten individuellen Konflikten gehören, ist ein wichtiger struktureller Problempunkt die Fluktuation im Betrieb. Die Arbeitsförderprogramme, ursprünglich auf zwei Jahre ausgelegt, dauern mittlerweile nur noch 12 Monate, mit der möglichen Tendenz zu einer weiteren Halbierung. »Es hat ein gewisses Konfliktpotential, wenn man Geld verdienen will und muss, die fähigsten Leute schnell wieder abzugeben«, erklärt Georgi. Andersherum bereitet es auch Probleme, wenn Beschäftigte den Ausstieg aus den Zweckbetrieben verzögern, da sie auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr Druck und weniger Gehalt erwartet. Hier müssen die Fachanleiter/innen manchmal »die Zügel anziehen«, um den Betroffenen den Ausstieg zu erleichtern.

Neben diesen unvermeidlichen Reibungen ist derzeit besonders die hohe Planungsunsicherheit für die gGmbH prekär. Während die Umsätze im Freizeitbereich ohnehin stark wetterabhängig sind, bildet auch die politische Großwetterlage einen kritischen Unsicherheitsfaktor. Das ursprüngliche Konzept der Ittertal gGmbH beruht auf einer Subventionierung der zuschussbedürftigen Angebote im Sport- und Freizeit-Bereich durch arbeitsmarktbezogene Förderungen, die wiederum gewerbliche Dienstleistungen ermöglichen. Die Veränderung in der Arbeitsmarktpolitik und der Rückgang entsprechender Förderprogramme schlägt daher doppelt zu Buche, da mit geringeren Beschäftigtenzahlen auch weniger Erträge in den Zweckbetrieben erwirtschaftet werden können. Zusätzlich bergen die Veränderungen der Zuständigkeiten für Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Hartz-Konzept die Gefahr, dass die GmbH ihren Einfluss auf die Mittelverteilung und wichtige Unterstützung im lokalen Umfeld verliert. In dieser Situation ist strategische Wirtschaftsplanung ein eher frustrierendes Unterfangen.

Erfolgsfaktoren

Als erfolgskritisch betrachtet Gabriele Georgi vor allem zwei Aspekte ihres Betriebes: Einerseits sieht sie die Rolle der Mitarbeiter/innen, insbesondere der Fachanleiter/innen als zentral an, die die beschriebenen Spannungen in der täglichen Arbeit auffangen. »Die Anleiter/innen müssen den Spagat gehen zwischen der Rücksicht auf persönliche Belange und den Kundenwünschen«. Dies, so weiß die Geschäftsführerin, verlangt ein hohes Maß an Qualifikation, Engagement und Erfahrung, das nicht auf der Straße liegt.

Gleichzeitig weiß Georgi die gute Zusammenarbeit vor Ort zu schätzen, die sich aus der Entstehungsgeschichte der Einrichtung, aber auch aus der anhaltenden intensiven Vernetzungsarbeit ergibt. Insbesondere die Kooperation mit der Kommune, die durch das Modell der »Public Private Partnership« gleichzeitig Kunde und Partner ist, hat der Einrichtung immer wieder wertvollen Rückhalt gegeben. Perspektivisch will Gabriele Georgi diese Verbindungen auch weiterhin auf eine politisch und gesellschaftlich breite Basis stellen, um langfristig gegen die unvermeidlichen Windwechsel im regionalen Klima gefeit zu sein.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Sport- und Kulturzentrum Ittertal gGmbH
Mittelitter 10
42719 Solingen
Tel.: (02 12) 2 30 39-0
Fax: (02 12) 2 30 39 -10
E-Mail: info@ittertal.de
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