Wirtschaftlichkeitsrechnung

Seite 3: Liquiditätsplanung, Finanzierungsplan

Liquiditätsplanung

Die Liquidität bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, alle notwendigen Zahlungen zur vorgesehenen Frist zu leisten. Investitions- oder saisonbedingte Engpässe an »flüssigen« (liquiden) Mitteln, die diese Zahlungsfähigkeit beeinträchtigen, können durch die Liquiditätsplanung frühzeitig erkannt und ausgeglichen werden. Liquidität ist auch dort prekär, wo der Umsatzprozess an Rechnungsstellungen gebunden ist. Während im Direkt- oder Ladenverkauf Umsätze sofort als liquide Mittel vorliegen, kann die Begleichung von Kundenrechnungen in der Regel 14 Tage bis vier Wochen dauern. Bei schlechter Zahlungsmoral bieten sich dabei Mahnungen und Skonto-Regelungen an.

Mit der Liquiditätsrechnung lässt sich der Cash Flow, also der Nettozugang an liquiden Mitteln im Betrieb, bestimmen. Der Cash Flow ist mittlerweile zu einer wichtigen Kennziffer in der Beurteilung der Finanzkraft von Unternehmen geworden. Er kann direkt durch die Aufrechnung der auf eine Periode (z.B. ein Jahr) bezogenen realen Einzahlungen und Auszahlungen berechnet werden, oder indirekt über die Aufrechnung des Jahresgewinns mit den ausgabenneutralen Aufwendungen (also Abschreibungen, und Rückstellungen, die zum Gewinn addiert werden) und Erträgen (also Zuschreibungen und außerordentlichen Erträgen, die vom Gewinn abgezogen werden). Zur Bestimmung des »freien Cash Flow« werden darüber hinaus auch noch Investitionen, Steuern und Rücklagen vom Gewinn abgezogen (und Deinvestitionen sowie Rücklagenauflösungen addiert). Der freie Cash Flow bezeichnet damit die Summe, die ausgeschüttet werden kann, ohne den Bestand des Unternehmens zu gefährden. In den ersten Jahren ist der freie Cash Flow in der Regel gering, da Gewinne (sofern sie überhaupt anfallen) überwiegend in den Betrieb reinvestiert werden. Erst wenn ein Betrieb nicht mehr wächst, beginnt die Zeit, in der er »gemolken« werden kann.

Symbol: »Wichtig« (ein Ausrufezeichen in einem blauen Kreis)

Formel: Cash Flow = Jahresgewinn plus Abschreibungen und Rückstellungen minus Zuschreibungen und außerordentliche Erträge

Finanzierungsplan

Der Bedarf an Fremdkapital für die Geschäftsgründung ergibt sich aus dem Kapitalbedarf minus die selbst eingebrachten Mittel (Eigenkapital). Das Fremdkapital kann auf verschiedenen Wegen eingeworben werden. Einen Überblick hierzu gibt Kapitel sechs.
Als Sicherheiten zur Kredit- bzw. Darlehensabsicherung können unter anderem Grund und Boden, Immobilien, Sicherungsübereignungen und Bürgschaften eingebracht werden. Wichtig ist dabei, dass weder die Sicherheiten noch das Eigenkapital, soweit sie zur Gründung eines steuerpflichtigen Geschäftsbetriebs eingesetzt werden, aus steuerbegünstigten Einnahmen des Trägers stammen dürfen. Mögliche Sicherheiten sind dagegen Vermögensgegenstände aus Schenkungen und freie Rücklagen. Bei Grundstückserwerb wird oft auch der zusätzliche Eintrag des Kreditgebers ins Grundbuch als Sicherheit verlangt.

Bei der Aufnahme von Fremdkapital ist die Belastung durch Zins und Tilgung zu beachten. Dieser sogenannte »Kapitaldienst« ergibt sich aus den Konditionen der Kredit- und Darlehensvergabe, von denen die wichtigsten Aspekte die Darlehenshöhe, die Laufzeit des Darlehens, die Anzahl tilgungsfreier Jahre und der Zinssatz sind. Typische Darlehen in der Wirtschaftsförderung schwanken zwischen vier und sieben Prozent Zinssatz und haben in der Regel eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren, von denen meist zwei Jahre tilgungsfrei sind. Bei höheren Summen werden oft nur Anteilsfinanzierungen gewährt, wobei der Darlehensnehmer einen bestimmten Prozentsatz selbst (oder aus anderer Quelle) beisteuern muss. Während reguläre Banken bei der Kreditvergabe nicht unbedingt schlechtere Konditionen haben, verlangen sie in der Regel größere Sicherheiten und sind nur selten im Kleinkredit-Geschäft tätig.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Darlehen oder Kredit: Bei einem Darlehen wird das Eigentum mit dem Geldbetrag auf den Darlehensnehmer übertragen, während es beim Kredit dem Nehmer lediglich zur Verfügung gestellt wird und im Eigentum des Kreditgebers (in der Regel der Bank) verbleibt. Ein Darlehen kann ohne Bezeichnung seines Verwendungszwecks erteilt werden, im Kreditvertrag ist dagegen der Verwendungszweck festzulegen und die Verwendung kann vom Kreditgeber geprüft werden. Ein Darlehen kann unentgeltlich (zinslos) oder entgeltlich gewährt werden, ein Kredit wird stets entgeltlich gewährt.

Neben der Aufnahme von Darlehen und Krediten sollte auch den Möglichkeiten zur Senkung des Kapitalbedarfs nachgegangen werden. Während sich Gründungskosten früher durch den Erwerb eines gebrauchten »GmbH-Mantels« (auch Vorrats-GmbH) einsparen ließen, sind die Vorzüge dieses Schrittes mittlerweile gesetzlich beseitigt worden. Dafür werden durch EU-Recht zunehmend andere Europäische Gesellschaftsformen (etwa die englische »LTD«) in Deutschland anerkannt, womit sich für findige Geschäftsgründer neue Möglichkeiten zur Senkung der nötigen Stammeinlage bieten. Investitionskosten lassen sich durch die Verzögerung von Investitionen sowie durch den Kauf gebrauchter Güter reduzieren (womit oft bis zu 75% der Kosten eingespart werden können). Darüber hinaus ist auch das Mieten oder Leasing von Investitionsgütern zu erwägen. Schließlich kann durch Kooperation mit anderen Betrieben, Organisationen oder dem gemeinnützigen Träger selbst eine gemeinsame Nutzung von Betriebsmitteln und Ressourcen erfolgen, die den Bedarf an Investitionen senkt.

Bei der Warenerstausstattung lassen sich Einsparungen vor allem durch niedrige Warenbestände und gemeinsame Lagerhaltung mit anderen Betrieben realisieren. Einsparungen in der Liquiditätsreserve sind an die Frage geknüpft, wie weit sich die Betriebskosten in der Anlaufphase reduzieren lassen. Unter Umständen bietet es sich an, zunächst mit einem sehr kleinen Personalstamm und geringen Fixkosten zu arbeiten und den Betrieb erst nach und nach mit der Umsatzentwicklung auszuweiten. Möglich ist unter Umständen auch, dass Kunden bestellte Produkte im Voraus zahlen, und so die Einnahmen zur Deckung der Produktionskosten genutzt werden können.