Wirtschaftlichkeitsrechnung

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Szenario-Technik

Eine betriebswirtschaftliche Grundweisheit besagt, dass das Wichtigste im Geschäft eine realistische Prognose ist, um das maximal tragbare Risiko einzuschätzen. Da die Umsatzentwicklung einer Geschäftsgründung von vielen Unsicherheitsfaktoren abhängt, ist es bei größeren Vorhaben sinnvoll, verschiedene Szenarien für die Entwicklung der ersten Geschäftsjahre durchzurechnen. Hierbei werden neben dem wahrscheinlichsten Szenario auch »best case«- und »worst case«-Szenarios ermittelt.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Die-Szenario Technik ist eine Planungsmethode, mit deren Hilfe Entwicklungen in einem bestimmten Problembereich prognostiziert und mögliche Entwicklungen des Problems analysiert werden können. Die Methode wird in den meisten Großunternehmen zur strategischen Planung eingesetzt, kann aber auch bei der Geschäftsgründung als Entscheidungshilfe dienen und ist nützlich, um Handlungsalternativen zu entwickeln und zu bewerten.

Szenario Trichter

Eine Grundfigur der Technik ist der Szenario Trichter, der aus dem »best case Szenario« (dem bestmöglichen Zukunftsfall), dem »worst case Szenario« (dem schlechtmöglichsten Zukunftsfall) und dem »Trendszenario« (dem derzeit wahrscheinlichsten Zukunftsfall) gebildet wird. Der Trichter spannt sich von der Gegenwart über unterschiedliche Zeithorizonte in die Zukunft auf. Die Horizonte können dabei als Controlling-Punkte zur Kurskorrektur unerwünschter Entwicklungen markiert werden.

Eine einfache Form der Technik, die sich für Probleme geringerer Komplexität eignet, vollzieht die Entwicklung der Szenarien und Strategien in vier Planungsschritten:

1. Problembeschreibung
Zunächst wird der Problembereich beschrieben, der zur Bearbeitung der aktuellen strategischen Fragestellung analysiert werden soll. Bei Geschäftsgründungen zielt die Fragestellung in der Regel auf die optimale Gründungsstrategie, wobei der relevante Problembereich der Markterfolg des zu gründenden Geschäftsbetriebes ist. In ähnlicher Weise könnte etwa auch die allgemeine finanzielle Situation des Trägers oder das Zusammenwirken von wirtschaftlicher und ideeller Tätigkeit analysiert werden.

2. Einflussanalyse
In einem zweiten Schritt werden die Einflussfaktoren (Deskriptoren) bestimmt, die auf das Problem unmittelbar einwirken. Aus einer Brainstorming Liste werden die wichtigsten Faktoren ausgewählt und in ihrem Wirkzusammenhang dargestellt. Je nach Komplexität des Problems können hier drei bis 30 Faktoren für die weitere Analyse gewählt werden. Für jeden Faktor werden schließlich die möglichen Entwicklungen bestimmt und quantifiziert (z.B. als Minimum-, Medium- und Maximum-Ausprägung).

3. Entwicklung des Szenario-Trichters
Aus der Kombination möglicher Ausprägungen der Einflussfaktoren werden nun ganzheitliche Zukunftsbilder erstellt. Hierfür wird zunächst das Trend-Szenario entwickelt, das auf der Kombination von Faktorenausprägungen beruht, die als realistisch angenommen werden, weil sie bestehende Trends fortzeichnen. Um das Trend-Szenario herum werden die Extrem-Szenarien entwickelt. Für das worst-case-Szenario werden die Faktoren in ihrer schlechtmöglichsten Ausprägung, für das best-case-Szenario in ihrer optimalen Ausprägung kombiniert. Darüber hinaus können auch noch weitere bedeutsame Szenarien innerhalb des Trichters analysiert werden. Die ausgewählten Szenarien werden nun ausgekleidet und auf ihre Konsistenz geprüft.

4. Strategie-Entwicklung
Ausgehend von der eingangs bestimmten Fragestellung werden nun aus den Szenarien Handlungsstrategien abgeleitet. »Stabile« Strategien sind solche, die für jedes Szenario vorteilhaft sind, »riskante« Strategien, sind solche, die auf ein bestimmtes Szenario zugeschnitten sind. Es empfiehlt sich, stabile Rahmenstrategien sofort umzusetzen und die Umsetzung riskanter Strategien so lange wie möglich hinauszuzögern, um mehr Informationen über die tatsächliche Entwicklung des Problembereichs zu erhalten. Allerdings ist unternehmerisches Handeln zu einem gewissen Grade immer an riskante Strategien gebunden.