Lose Kopplung

Die Bindung zwischen Organisationseinheiten wird in der Organisations-Theorie als »Kopplung« bezeichnet. Nach dem Modell von Karl Weick (1985) lassen sich in Organisations-Systemen »lose« und »enge« Kopplungen unterscheiden. Das Modell der engen Kopplung entspricht dabei der klassisch bürokratischen Organisationsform mit starker Regulierung, zentraler Steuerung, lückenloser Aufgabenteilung und Ressourcenrationalität. »Lose Kopplung« definiert Weick durch folgende Merkmale:

  • Reduzierte Regulierung, bei der Ziele als Rahmenvorgaben bestehen, der Weg der Zielerreichung den Subsystemen aber weitestgehend freisteht
  • Weitgehende Dezentralisierung von Entscheidungen und Delegation von Verantwortlichkeiten an Subsysteme, wobei die Systemsteuerung maßgeblich von Aushandlungsprozessen bestimmt wird.
  • Ressourcen-Überlappung und Aufgaben-Überschneidungen zwischen den Subsystemen, durch die kleinere Störungen im Arbeitsablauf »gepuffert« werden.

Die hauptsächlichen Vorteile loser Kopplung bestehen darin, dass

  • der bürokratische Aufwand der System-Koordination vergleichsweise gering ist,
  • die Flexibilität des Systems insgesamt erhöht ist,
  • die Kompetenz der Subsysteme optimal genutzt wird und diese lokale Lösungen entwickeln können,
  • externe Turbulenzen und strategische Fehlentscheidungen im System weniger durchschlagen als bei »enger Kopplung«.

Die wichtigsten Nachteile loser Kopplung bestehen darin, dass

  • die Redundanz im System keine optimale Ressourcennutzung zulässt,
  • die strategische Steuerung des Gesamtsystems erschwert ist,
  • die Nachrichtenübertragung im System nicht zuverlässig ist, sodass Informationslücken entstehen können (Akteure brauchen daher dichte persönliche Netzwerke, um dies zu kompensieren),
  • das Funktionieren des Systems schwer zu evaluieren und zu kontrollieren ist.