Rechtsform

Seite 1: Eingegliederter Geschäftsbetrieb

Die erste Frage bei der Wahl der Rechtsform des zu gründenden Geschäftsbetriebs betrifft seine Anbindung. Hier stehen die beiden Alternativen »Eingliedern« und »Auslagern« zur Diskussion.

Eingegliederter Geschäftsbetrieb

Bei der eingegliederten Variante ist der Geschäftsbetrieb im Rahmen des gemeinnützigen Trägers (i.d.R. des Vereins oder auch einer gemeinnützigen GmbH oder Stiftung) angesiedelt und wird von der ideellen Arbeit vornehmlich buchhalterisch, ggf. auch organisatorisch getrennt. Die wirtschaftlichen Aktivitäten werden dabei – je nach ihrer Nähe zu den satzungsmäßigen Aufgaben des Trägers – als steuerbegünstigter »Zweckbetrieb« oder als voll steuerpflichtiger »wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb« geführt. Eine ausführliche Erläuterung zu den vier steuerlichen Bereichen (ideeller Bereich, Zweckbetrieb, wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb und Vermögensverwaltung) findet sich in Kapitel acht.

Träger e.V.
Ideeler Bereich Zweckbetrieb wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb Vermögensverwaltung

Bei eingegliederten Geschäftsbetrieben ist auch die Bündelung der wirtschaftlichen Aktivitäten zu klären. Hier bestehen wiederum zwei grundsätzliche Alternativen: In der integrierten Form finden die wirtschaftlichen Aktivitäten innerhalb der »regulären« Abteilungen bzw. Arbeitsbereiche des gemeinnützigen Trägers als sogenannte »Nebeneffekte« statt und werden lediglich buchhalterisch separat geführt (die Abteilungs- und Steuer-Organigramme des Trägers sind somit nicht deckungsgleich). Dies ist etwa der Fall, wenn im EDV-Zentrum eines Bildungsträgers gewerbliche Aufträge bearbeitet werden oder wenn in einer Beratungsstelle Getränkeverkauf stattfindet. In der gebündelten Form sind die wirtschaftlichen Aktivitäten dagegen als Abteilung/en (bzw. Kostenstellen oder sogar Profit Center) mit eigenen Leitungsstrukturen zusammengefasst. Diese Entkopplung bewirkt zwar eine gewisse Spaltung des Gesamtsystems, vermeidet dafür aber die sonst häufigen Rollen- und Leitungskonflikte in der Organisation, da die Abteilungen in sich homogener sind.

Denkbar ist bei der Wahl der eingegliederten Variante auch eine Umwandlung bzw. Übertragung, in deren Rahmen der gemeinnützige Träger sich auflöst und seine Geschäfte auf einen neu gegründeten Träger überträgt. So kann beispielsweise ein Verein sämtliche Vermögen, Rechte, Pflichten und Rechtsbeziehungen (im Sinne der nach dem Umwandlungsrecht geltenden »Gesamtnachfolge«) an eine neu gegründete Stiftung übertragen.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Will sich ein Verein in eine gGmbH umwandeln, bietet es sich an, zunächst einen weiteren Verein als Gesellschafter zu gründen. Dieser kann als Satzungszweck die Förderung der gGmbH haben und muss selbst keine weiteren Programmaktivitäten aufweisen.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Der Ökowelt e.V. entschließt sich, den Verlag zunächst im Vereinsrahmen zu belassen. Da die Satzung des Vereins Aufklärung und Information zum Thema Ökologie umfasst, kann der Verlag als Zweckbetrieb gelten. Die Verlagsarbeit unterscheidet sich allerdings so stark von der ideellen Bildungsarbeit des Vereins und den zum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb rechnenden Aufträgen im Recherchebereich, dass es sinnvoll erscheint, eine eigenständige Abteilung für den Verlag zu gründen, die als Kostenstelle geführt wird.

Ökowelt e.V.

Ideeler Bereich

Bildungsarbeit

Zweckbetrieb

Verlag

wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Recherche gegen Honorar

Vermögensverwaltung

Vermietung Gewächshaus

Symbol: »Weitere Infos« (eine Lupe über 2 Blatt Papier)

Exkurs: Kostenstellen und Profit-Center – Im Nonprofit-Bereich hat sich in den letzten Jahren verstärkt das Konzept der Kostenstellen-Rechnung etabliert.