Steuerung

Neben der Rechtsform ist bei der Konstruktion eines zu gründenden Geschäftsbetriebs auch seine Steuerung zu klären. Die gebräuchlichsten Steuerungsmodelle bei integrierten Betrieben sind die zentrale Führung, die Doppelspitze und die klassische Pyramidenorganisation mit zentraler Führung und Abteilungsleitungen. Bei Ausgründungen ist in erster Linie zwischen selbständigen und unselbständigen Auslagerungen zu entscheiden. Schließlich stehen auch verschiedene Verbundlösungen offen, mit denen besonders umfangreiche Aktivitäten differenziert gesteuert werden können.

Steuerungsmodelle

Die im Folgenden vorgestellten Modellskizzen bestehen aus Steuerungs- und Programm­einheiten. Steuerungseinheiten sind Organe, die die Arbeit der Organisationen disponieren und leiten (wobei vorerst zwischen Geschäftsführung und Vorstand nicht unterschieden wird, um die Übersichtlichkeit der Modelle zu gewährleisten). Programmeinheiten sind Abteilungen oder Tätigkeitsfelder, in denen die Programme der Organisation umgesetzt werden.

Je nach ihrem primären Aufgabengebiet sind die Einheiten weiß (ideelles Aufgabenfeld), schwarz (wirtschaftliches Aufgabenfeld) und kariert (gemischtes/integriertes Aufgabenfeld) codiert. Pfeile zwischen Einheiten bedeuten Weisungsverhältnisse, während Linien ein Abstimmungsverhältnis bezeichnen. Die Steuerungsmodelle finden sich in den Fallbeispielen wieder, auf die jeweils verwiesen wird.

Steuerungsmodelle

Eingegliederte Lösungen

Zentrale Führung
Die Geschäftsführung des gemeinnützigen Trägers leitet alle Abteilungen und Aktivitäten der Organisation zentral. Die wirtschaftlichen Aktivitäten sind dabei entweder in den Abteilungen integriert a) oder in eigenen Abteilungen zusammengefasst b).

Zentrale Führung

Vorteil: Gute Steuerung durch Einheit der Spitze möglich
Nachteil: Hohe Ansprüche an Kompetenz und Integrationsfähigkeit der Leitung

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

PC-Jugend e.V. (integriert)
forumF, Ittertal gGmbH (zusammengefasst)

Doppelspitze
Die Leitung des Trägers ist nach betriebswirtschaftlichen Kompetenzen und ideell/fachlichen Kompetenzen getrennt. Die beiden Leitungsorgane stimmen sich in regelmäßigen Geschäftsführungstreffen miteinander ab. Die wirtschaftlichen Geschäftsaktivitäten sind entweder in den Abteilungen integriert a) oder nach ideellen und wirtschaftlichen Abteilungen getrennt und den Leitungsbereichen zugeordnet b).

Doppelspitze

Vorteil: Möglichkeit einer Leitung mit spezialisierter Fachkompetenz
Nachteil: Die Abstimmung zwischen den beiden Leitungsbereichen kann konfliktträchtig sein und es kann zu Doppelloyalitäten im System kommen

Pyramide
Die wirtschaftlichen und ideellen Arbeitsbereiche werden von Abteilungsleitern geführt, die der Geschäftsführung des Trägers unterstehen. Diese ist für die strategische Integration des Gesamtsystems zuständig.

Pyramide

Vorteil: Gute strategische Steuerung bei gleichzeitiger fachlicher Spezialisierung
Nachteil: Lange Wege von der operativen Basis bis zur strategischen Führung

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

jugendhaus düsseldorf e.V. (teilweise Auslagerung)

Ausgelagerte Lösungen

Selbständige Auslagerung
Der ausgelagerte Geschäftsbetrieb (meist eine GmbH) wird eigenständig geführt (entweder als eigenständiges Tochter- oder als freistehendes Schwesterunternehmen). Die Leitung des gemeinnützigen Trägers stimmt sich mit der Leitung des Geschäftsbetriebs strategisch ab.

Selbstständige Auslagerung

Vorteil: Die Leitung des ausgelagerten Trägers hat maximale unternehmerische Flexibilität kann ihre Fach- und Feldkompetenz optimal nutzen. Beim gemeinnützigen Träger werden Kapazitäten frei
Nachteil: Der gemeinnützige Träger gibt seinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb weitgehend ab

Unselbständige Auslagerung
Der ausgelagerte Geschäftsbetrieb ist zwar juristisch eigenständig, wird aber vom gemeinnützigen Träger gesteuert. Der gemeinnützige Träger steuert dabei entweder als 100%iger Teilhaber a) oder in Abstimmung mit anderen Teilhabern b).

Unselbständige Auslagerung

Vorteil: Der gemeinnützige Träger behält maximalen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb und kann so der Gefahr seiner Verselbständigung entgegenwirken
Nachteil: Die Steuerung des Geschäftsbetriebs bindet Ressourcen beim Träger und unterliegt möglicherweise einer politischen Logik, die der betriebswirtschaftlichen entgegensteht. Da die Konstruktion beim Träger als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb gewertet wird, besteht die Problematik der Gemeinnützigkeitsgefährdung fort.