Intermediäre Organisationen

Die Suche nach einem Konzept, mit dem sich Initiativen, Vereine, Verbände und andere Träger sozialer, kultureller und gesellschaftspolitischer Aufgaben theoretisch fassen lassen, hat bislang noch keinen konsensfähigen Ausgang genommen. Neben dem (ökonomisch geprägten) Begriff des »Nonprofit-Bereichs« und dem (soziologisch geprägten) Begriff des »Dritten Sektors« spielt seit einiger Zeit auch das politisch akzentuierte Konzept des »Intermediären Bereichs« von Adalbert Evers (1990) eine wichtige Rolle. Das Konzept fasst als primäres Kennzeichen der oben genannten Organisationen ihre Vermittlerrolle zwischen den drei gesellschaftlichen Sphären Gemeinschaft, Staat und Markt. Intermediäre Organisationen sind durch diese Vermittlung nicht nur in ihrer Zielsetzung, sondern auch in den Organisationsformen und Funktions-Logiken von unterschiedlichen Sphären geprägt.

Im gemeinnützigen Bereich ist die vorherrschende Form von Intermediarität die Vermittlung zwischen Gemeinschaft und Staat. Dies erklärt sich dadurch, dass der Status der Gemeinnützigkeit über Aufgaben definiert ist, die aus der Gemeinschaft heraus bearbeitetet werden, wegen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung aber staatliche Unterstützung erhalten (sei es in Form von Steuervergünstigungen oder durch öffentliche Förderung).

Der intermediäre Bereich zwischen Staat, Markt und Gemeinschaft

Als »Input« -Funktion wird bei der Vermittlung zwischen Gemeinschaft und Staat die Einspeisung von Interessen in die staatliche Sphäre bezeichnet (etwa durch Lobbying oder Repräsentation), als »Output« -Funktion die stellvertretende Ausführung staatlicher Aufgaben gegenüber der Gemeinschaft (etwa durch das Angebot subventionierter sozialer Dienstleistungen). In dem Spagat, der sich aus dieser Vermittlungsarbeit ergibt, treffen auf der Zielseite die einander widersprechenden Ansprüche von Klienten und öffentlichen Geldgebern aufeinander, auf der Form-Seite die organische Struktur der Gemeinschaft und die bürokratische Struktur der staatlichen Organe. Der daraus resultierende Konflikt intermediärer Organisationen ist von Horch (1992) unter dem Begriff des »Mobilisierungs-Integrations-Dilemma« beschrieben worden. Dabei ist nicht nur der Konflikt selbst, sondern auch das Potential seiner Lösung eines der Kennzeichen des intermediären Bereichs. Erfolgreiches »Spannungsmanagement« und »Mehrsprachigkeit« in Bezug auf ihre Umweltbeziehungen gehören somit zu den Stärken intermediärer Organisationen.

Während das Agieren im Spannungsfeld Gemeinschaft – Staat in der beschriebenen Form mithin zur Routine gemeinnütziger Träger gehört, bleibt das Spannungsfeld Gemeinschaft – Markt eine offene Baustelle. Bezeichnenderweise bahnen sich die Vorboten des Marktes ausgerechnet über den Umweg der staatlichen Sphäre (im Rahmen des »New Public Management« und der Privatisierung öffentlicher Leistungen) den Weg in die gemeinnützige Welt. Leistungsverträge ersetzen zunehmend Fehlbedarfsfinanzierungen, Ausschreibungsverfahren lösen langfristige Auftragsbeziehungen ab, Geldgeber fordern immer öfter kundenbasierte Kennzahlen für Qualität, die die lange betriebene Selbstevaluation der Träger ersetzen. Drastischer noch geht die Annäherung in den Bereichen der Sozialwirtschaft vonstatten, die im Zuge der Europäischen Integration in offene Märkte übergleiten. All dies sind Entwicklungen, die den intermediären Bereich zu teilweise schmerzlicher Annäherung an die Sphäre des Marktes zwingen. Mit dem Aufbau von Projekten zur Eigenmittel-Erwirtschaftung bewegen sich gemeinnützige Träger noch ein weiteres Stück auf die marktbezogene Sphäre zu, holen sie mitunter sogar direkt ins eigene Haus.