Zielqualitäten

Die folgenden Zielqualitäten machen ein Ziel operationalisierbar: Das Ziel muß zeitlich zu befristen, erreichbar und in Handlung umsetzbar sein.

Zeitliche Befristung

Ein Ziel ist befristet, d.h. sein Erreichen ist in einem bestimmten Zeitraum überprüfbar. »Operative Ziele« sind solche mit einem kurzfristigen Zeithorizont von Tagen, Wochen oder Monaten: Es geht z.B. um mein heutiges Tagesziel, dieses Kapitel fertig zu schreiben, oder darum, dass die Gruppe heute zu einer Einigung über die Formulierung eines Flugblatts kommt.

In dieser Phase geht es hingegen um »Strategische Ziele«. Sie definieren in einem mittel- bis längerfristigen Zeitrahmen (von ca. einem bis mehreren Jahren) Erreichbares auf dem Weg zur Verwirklichung einer Vision. Wer z.B. gegen die derzeitige Abschiebepraxis und für eine Gesellschaft eintritt, die für politisch Verfolgte uneingeschränkt offen ist, für den mag die Unkenntnis bzw. Akzeptanz in der Bevölkerung hinsichtlich der aktuellen Situation eine wesentliche Hürde sein. Die allgemeine Kenntnis der Abschiebepraxis und ihre Ablehnung in der Bevölkerung zu erreichen, wäre daher ein strategisches Ziel. Ist es erreicht, ist der lange Weg schon etwas kürzer geworden.

Erreichbarkeit

Ziele (die strategischen wie auch die operativen) zeichnen sich durch Erreichbarkeit und Oberprüfbarkeit aus. »Seid realistisch! Fordert das Unmögliche!« ist eine interessante visionenleitende Forderung und als Maxime für einen kreativen Ideenfindungsprozess geeignet. In dieser Phase muss jedoch von der Ebene des Wunschdenkens zu der des wirksamen Handelns übergeleitet werden.

Ein Ziel ist dann als erreichbar formuliert, wenn es bei maximaler Nutzung der zur Verfügung stehenden (bzw. der erreichbaren) Mittel und Möglichkeiten praktisch erreicht werden kann. Es ist als überprüfbar formuliert, wenn Kriterien oder Merkmale benannt werden, anhand derer Beteiligte und Unbeteiligte feststellen können, ob es erreicht wurde oder nicht.

Handlungsleitend

Ein Ziel ist handlungsleitend, wenn es durch die eigene Tätigkeit der Gruppe, die das Ziel definiert, direkt oder indirekt erreichbar ist. Damit liefert es in allen weiteren Phasen des Organisierens zu jedem Zeitpunkt eine Orientierung, wo es hingehen soll und was dafür getan werden muss.

Durch die Formulierung eines Ziels wird also nicht nur gefordert, dass etwas geschehen muss, sondern es gibt auch Hinweise darauf, wie es verwirklicht werden kann. Damit bildet die Zielformulierung die Schnittstelle zur folgenden Strategie-Phase, also der Wegbeschreibung, die jedoch wie das Ziel nicht mit den Maßnahmen und Mitteln verwechselt werden darf.